Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Natürlich besteht Mathildas Persönlichkeit aus noch mehr Facetten als diesem Spruch, doch fasst er die schwankenden Stimmungen der jungen Stute gut zusammen. Schon immer war sie charakterlich eher ein zartes Blümchen, hochsensibel und extrem empathisch. Sie hatte ein übermäßiges Gefühl für die Emotionen anderer, wusste instinktiv, wie sich andere fühlten. Dabei ging ihr oftmals verloren, wie sie sich eigentlich selbst so fühlte. Obwohl in ihr auch viel sprudelnde Lebensfreude steckt, eine gehörige Portion Neugier und die Sehnsucht, die Welt zu entdecken, so werden diese Teile ihres Wesens oftmals von dunklen Schatten verdeckt. Ohne es zu wollen oder richtig steuern zu können, kann Mathildas Laune nämlich auch in das komplette Gegenteil schwenken. Ihre immerwährende Tiefgründigkeit schießt dabei manchmal über das Ziel hinaus und endet in Phasen von Leere, Traurigkeit oder Depression. Manchmal fragt die junge Seele sich, welchen Sinn dieses Leben überhaupt erfüllt, nur um sich in im nächsten Moment wieder der endlosen Schönheit der Natur zu erfreuen. Sie hat dabei keinesfalls eine gespaltene Persönlichkeit, ist aber oftmals verwirrt von ihren eigenen Gefühlen, die sie einfach haltlos zu übermannen scheinen.
Auch wenn Mathilda noch in einem zarten Alter steckt und weit davon entfernt ist, weise zu sein, so verhält sie sich doch sehr reif und erwachsen und ist mit einem scharfen Verstand und guten Intellekt beschenkt. Zumindest, wenn sie mit Erwachsenen zu tun hat. Mit zahlreichen Ängsten und einer ausgeprägten Schüchternheit ausgestattet, wenn es darum geht, ihr wahres Wesen vor anderen zu offenbaren, würden einige sie sicherlich noch als sehr kindlich sehen. Aber so weit lässt Mathilda meist nicht blicken und versteckt all die Unsicherheiten und Zweifel die sie plagen, so gut es eben geht. Selbst ihre depressiven Schübe versucht sie – meist sehr erfolgreich - vor anderen zu verbergen. Ihre Fassade bröckelt nur, wenn jemand ihre wunden Punkte trifft und sie zeitweise zu labil ist, um gegen Reaktionen wie Tränenausbrüche und Selbstverurteilung anzugehen. Und doch ist so mutig wie manch anderer nicht. Denn immer versucht sie ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und nicht nur Opfer ihrer Emotionen zu sein. Sie hat vor so vielem Angst und dennoch beweist sie wahren Mut, indem sie sich den Sachen stellt. Mal mehr, mal weniger effektiv...
Mathilda empfindet sehr tief. Gefühle gehen ihr unter die Haut und so baut sie meist riesige Mauern um sich. Sie sehnt sich auf der einen Seite nach echtem Kontakt, Ehrlichkeit und Nähe, auf der anderen Seite gibt es aber nichts, was sie mehr fürchtet. Die Angst davor, verletzt zu werden und diese Enttäuschung nicht zu verkraften, baut der jungen Stute enorme Steine in ihren Lebensweg. Das heißt allerdings keineswegs, dass sie unsozial wäre. Tatsächlich würde man auf den ersten und selbst auf den zweiten Blick nichts von ihren Problemen vermuten. Oftmals ist sie in der Gesellschaft anderer überaus fröhlich, witzig und offen, ohne sich dabei in den Vordergrund zu rücken. Sie hört zu, steht immer mit Rat und Tat zur Seite und doch fällt es ihr schwer, sich wahrlich und wahrhaftig zu öffnen. Es dauert, bis sie vertraut und sich fallen lassen kann.
Millterweile hat Mathilda sich jedoch damit arrangiert, dass das Leben für sie ein ständiges Auf und Ab zu sein scheint. Sie nimmt das Leben, als wären es die Wellen des Meeres, auch wenn ihr diese Haltung oftmals schwerfällt. Den starken Drang perfekt sein zu wollen, keine Fehler zu machen - kein Fehler zu sein - hat sie bisher durch ihr junges Leben getrieben und sie versucht ehrlich, diese Eigenschaft abzulegen. Auch wenn sie sich des öfteren eingestehen muss, dass dies ein langwieriger Prozess sein wird, der durch mehr als einen Rückfall gekennzeichnet sein wird.
Vergangenheit
Sonnenzeit
Es war eine kleine Familie in deren Mitte die braune Stute hineingeboren wurde. Sie erblickte das Licht der Welt in der schönsten Phase des Frühlings, bereit, einem vielversprechenden Sommer entgegenzublicken. Schon früh wurden den wenigen Herdenmitgliedern bewusst, dass sie mit Mathilda ein Sensibelchen und helles Köpfchen in ihren Reihen hatten. Sie war das einzige Fohlen in diesem Jahr und so kam es, dass sie sich ausschließlich mit Erwachsenen unterhielt, im engsten Kreis natürlich mit Mutter und Tante. Allerdings sollte die Idylle nicht lange halten. Schon früh hatte die Kleine es gespürt, Diskrepanzen zwischen den Herdenmitgliedern, primär zwischen ihren Eltern. Ihr Vater war behaftet mit seinen eigenen Problemen und Dämonen, unfähig, sich wie sie in andere hineinzuversetzen. Ihre ganze Kindheit belastete er und brachte das Gleichgewicht zwischen den Mitgliedern der kleinen Herde durcheinander. Als die anfänglich lautstarken Wortwechsel zunehmend handgreiflicher wurden, zog Mathilda sich weiter und weiter in sich zurück. Auch ihre eigentlich so nahestehenden Verwandten hatten schwer mit der Tyrannei ihres Vaters zu kämpfen und wandten sich von der jungen Stute ab, die gar nichts für die Umstände konnte. Verzweifelt und beschämt versuchte sie den Fehler zu finden, zu verstehen, warum sie gestraft wurde, obwohl sie mit alldem doch gar nichts zu tun hatte. Einzig ihre Mutter blieb ihr, doch diese war niedergeschmettert von den ganzen Strapazen und versuchte ihr Leid auf der kleinen Mathilda abzuladen. Hilfsbereit wie sie war, versuchte die junge Stute für ihre Mutter da zu sein, wagte es ultimativ sogar sich gegen ihren Vater zu stellen, als dieser wieder einen seiner Wutanfälle bekam. Dabei stürzte sie schwer auf ihre Schulter und entschied sich, den Ort zu verlassen, den sie einst ihre Heimat genannt hatte.
Ohne Plan, ohne Geleit
Aus der impulsiven Handlung heraus kam Mathilda plötzlich in der Realität an. Verwirrt, verängstigt und traumatisiert lief sie durch die unendlichen Weiten der Natur und wurde getragen von einer vorher selten dagewesenen Entschlossenheit. Schon oft hatte sie sich diesen Zustand ausgemalt, endlich frei zu sein von all den schrecklichen Szenen ihrer Familie. Und nun war es passiert. Ohne darüber nachzudenken und zu einem möglichst schlechten Zeitpunkt – ihre Schulter war verletzt, sie war jung, schutzlos und einsam – war sie gegangen, um ein eigenes Leben zu beginnen. Und obwohl der Gedanke an ihre Mutter sie fast zerriss, schaute Mathilda nicht zurück, denn sie wusste, dass sich nie etwas ändern würde. Und für dieses Schicksal war sie nicht vorgesehen. Und so humpelte sie von dannen, kein festes Ziel im Blick und die Wochen vergingen, bis sie schließlich in das Stillreich gelangte.
Gruppen
Dieser Charakter gehört keiner Gruppe an.
Gesundheit
60%
Mathilda hat durch einen Sturz starke Schmerzen in ihrer Schulter.
Unbenanntes Dokument