Das dichte Unterholz war mit jeder Sekunde bedrückender geworden, bis Silariel wieder zu rennen begonnen hatte. Den ganzen Tag über rauschte nun schon Adrenalin durch ihre Adern, und die Begegnung mit der Schattenkreatur machte es nicht besser. Gehetzt war sie durch den dichten Wald gejagt, bis sie jäh einem Pferd gegenüberstand. Erschrocken stemmte sie alle vier Pfoten in den Boden. Ihre Hinterpfoten rutschten auf dem Laub zur Seite weg und sie landete am Boden. Zitternd hob sie den Kopf und blickte schwer atmend zu der weißen Stute mit den dunklen Tupfen auf. Ihre hellen Flanken bebten und sie hechelte schwer. Wer war das?
Sie war so in ihre eigenen, gehetzten Gedanken vertieft, dass sie die ersten Worte der Stute völlig überhörte. Die Frage, ob alles in Ordnung war, verunsicherte sie heftig. Nein, es war nicht alles in Ordnung. Andererseits hätte sie auch unmöglich einer Fremden erklären können, was nicht stimmte. "Nein ... es ist alles in Ordnung ...", murmelte sie und atmete mühsam tief ein und aus. Der Geruch des Waldes erfüllte ihre Lungen und wirkte wie immer beruhigend. Ihr fiel auf, wie nervös die ältere Stute war, und wedelte mit dem Schwanz, um sie zu beruhigen. Sie war schon ängstlich genug für sie beide, obwohl sie sich in Gegenwart der Stute bereits etwas besser fühlte. Und verletzt .... "Ja ... aber nur ein Kratzer." Sie zwang ihre Leftzen zu einem Lächeln und wedelte mit dem Schwanz. Ein panisches Wesen genügte hier. "Ich bin Silariel", stellte sie sich mit etwas zittriger Stimme vor, "und wer bist du?"
Hechelnd blieb die helle Fähe Silariel stehen und sah sich gehetzt um. Verfolgte man sie? War es noch hinter ihr her? Nein, da war nichts. Okay. Neue Frage. Wo war sie? Zitternd wandte sie den Kopf hin und her und versuchte, sich zu orientieren. Aber um sie herum waren nur Nadel- und Laubbäume und sie wusste beim besten Willen nicht, wo sie war. Der Mischwald war dunkel und das Unterholz ... wie war sie vorher da durchgekommen?! "Na ja, Panik macht alles möglich", murmelte die Hündin und schüttelte sich nervös. Kurz wandte sie den Kopf und leckte die Kratzwunde an ihrer Flanke. Die Verletzung war nicht tief und blutete nicht stark, aber sie machte der Fähe trotzdem Angst. Dieses Ding, das sie jagte, hatte sie physisch verletzt. Die Hündin schauderte unruhig. Vorsichtig, als würde das Aufstören eines einzigen Blattes eine Katastrophe auslösen, schlich sie weiter. Sie hatte eine verdammte Angst, aber sich irgendwo zu verkriechen war auch keine Lösung. Mit aufmerksam gespitzten Ohren schlich der American Staffordshire durch die Dunkelheit.
Ein Geräusch irgendwo hinter ihr ließ Silariel hochschrecken. Ohna sich darum zu kümmern, was es genau war, schoss sie geradeaus los. Ihre Pfoten rutschten auf dem Laub aus, aber es kümmerte sie nicht. Sie rannte einfach weiter, brach durch Unterholz und stolperte gehetzt über Baumwurzeln. hin und wieder stürzte sie, sprang aber wieder auf die Beine. sie musste weg! Aber wohin?
Irgendwann landete sie auf einer kleinen, düsteren Lichtung und sah sich gehetzt um. Panisch drehte sie sich um sich selbst, konnte aber nichts entdecken. Wo war sie? Zitternd sah sie sich um, aber immer noch war nichts zu erkennen. Erschöpft legte Silariel sich nieder und versuchte, wieder zu atmen zu kommen. Nach einigen Minuten jedoch rappelte sie sich wieder auf und trottete weiter durch den gruseligen Wald. Normalerweise mochte sie dunkle, dicht bewachsene Wälder, aber wenn sie von etwas unsichtbarem gejagt wurde, dass sie bereits verletzt hatte, dann nein danke. Also weiter. Sie konnte nur hoffen, dass sie jemanden treffen würde, der ihr helfen konnte.